Mein Name ist Juergen Schweiger und ich bin der Kommandeur der IT-Truppen der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum. Derzeit befinde ich mich seit Oktober 2025 im Einsatz und ich moechte mich in diesem Gastbeitrag fuer das Engagement der Frauen des Netzwerks meet B(w) bedanken und diese auch in ihrem Wirken unterstuetzen, bekraeftigen und mich auch mit ihnen solidarisieren.

In meiner Karriere bei der Bundeswehr habe ich viele Positionen, Funktionen, Dienststellen an unterschiedlichen Orten in Deutschland durchlaufen.
Waehrend dieser Zeit war ich auch in einsatzgleichen Verpflichtungen oder im Einsatz im Rahmen der NATO oder Vereinten Nationen, sei es in Afghanistan, Mali, Suedsudan, Zentralafrikanische Republik etc.
Damit aber genug von mir und meinem persoenlichen Hintergrund, gilt dieser Beitrag ja den Frauen des Netzwerks meet B(w) und ihrem Wirken in unserer Aller Bundeswehr.
Ich werde von meinem aktuellen Dienstposten in Deutschland und schon gar nicht von meinem Einsatzort aus viel zum Erreichen der Zielvorgaben von 20 % Frauenanteil in den Teilstreitkraeften und 50 % im bisherigen Sanitatsdienst beitragen koennen. Ebenso wenig wie an dem ambitionierten eigenen Ziel von meet B(w) von +/- 30 % Frauenanteil in der Bundeswehr.
Was ich aber kann, ist von meinen Erfahrungen, Beobachtungen und Begegnungen zu berichten.
Soldatinnen wie Soldaten leisten ihren treuen Dienst fuer Deutschland. Es gibt gute, weniger gute, sehr leistungsfaehige und weniger leistungsfaehige Soldatinnen und Soldaten bei der Bundeswehr. Das duerfte nicht ueberraschen und ist auch teils begruendbar, wenn man die individuellen und naeheren Umstaende und Rahmenbedingungen betrachtet.
Verwunderlich, unverstaendlich und schon gar nicht akzeptabel sind die teils immer noch auftretenden Vorurteile und Klischees und die damit auch verbundenen Benachteiligungen fuer Soldatinnen bei der Bundeswehr.
Ich habe diese nie verstanden, zaehlt doch der Mensch, dessen Werteordnung, dessen Einstellung, die Charaktere, die erbrachte Leistung, der Mut, das Wirken und ja, auch die Tapferkeit des Individuums und nicht die Haarfarbe, Hautfarbe, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung.
So habe ich eine Stabsoffizierin als Sachgebietsleiterin gesehen, die als Alleinerziehende Unglaubliches geleistet hat, wo ich mich immer gefragt habe, wie schafft diese Frau das und natuerlich wurde diese Leistung gesehen und dementsprechend auch gewuerdigt.
Ebenso eine Kameradin, die neben ihrer eigentlichen, sehr umfangreichen und erfolgreichen Aufgabenwahrnehmung als Vorzimmerkraft unglaublich engagiert und erfolgreich im Rahmen BGM war, als Lotsin und in Nebenfunktion auch noch Sportoffizierin war, obwohl es nicht ihrem Dienstgrad entsprach. Sie hat das grosse Ganze gesehen und sich dort persoenlich engagiert, wo es notwendig war im Sinne der positiven Auftragserfuellung und der Angehoerigen des Verbandes.
Auch waehrend meiner Einsaetze war dies immer wieder gegenwaertig.
Sei es in der fuer uns zugeteilten polnischen Force Protection, wo eine Soldatin im noch maennerdominierten Umfeld professionell ihren Platz nicht nur aufgrund Dienstgrad beansprucht, sondern durch militaerisches Koennen, koerperlichen und geistigen Leistungswillen und –faehigkeit diesen Platz ohne Zweifel und Wiederspruch eingeraeumt wird.
Gerade jetzt kann ich auch wieder erleben, wie eine Soldatin im Einsatz, in einem nicht westlich gepraegten kulturellen Umfeld, trotz Rueckschlaegen, Enttaeuschungen und wahrscheinlich auch gefuehlter Hilflosigkeit gegenueber den vorherrschenden historisch bedingten Rahmenbedingungen, die halt mal so sind wie sie in diesem Land, jeden Morgen neu antritt. Antritt, weil sie den Eid geschworen hat, antritt weil sie das Pflichtbewusstsein dafuer hat, antritt um zu zeigen, ich lass mich nicht unterkriegen. Einfach wieder antritt, meinen tiefsten Respekt dafuer.
Sollte dies nicht anerkannt, respektiert und honoriert werden?
Die Antwort ist und war fuer mich immer schon auf der Hand liegend. Es sollte nicht – es muss, das ist wirklich Chancengleichheit. Das ist Bestenauslese und deren Foerderung. Das ist echte und wirkliche Kameradschaft.
Solche Persoenlichkeiten und ich spreche hier absichtlich nicht von Frau, Mann, sexuellen Orientierung, Aussehen, Abstammung etc., brauchen wir.
Frueher, jetzt und erst recht in der Zukunft, das ist meine persoenliche feste Ueberzeugung, die ich vertrete und warum ich meet B(w) unterstuetze, andere davon ueberzeugen und dafuer motivieren moechte dies auch zu tun.
