Warum es in den Streitkräften nur mit Männern und Frauen gemeinsam geht?

Im Grunde genommen ist das – meiner Meinung – einfach zu beantworten:

Wenn wir Soldaten und Soldatinnen aller Dienstgrade, dass was wir geschworen haben, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, genauso, in seiner Tiefe und Bedeutung, verstanden haben und auch versuchen nach bestem Wissen und Gewissen einzuhalten, dann sind Gleichberechtigung, Menschenwürde und humanistische Werte im Zentrum unseres Denkens und Handelns und kein Gegenstand einer Diskussion, Abwägung oder sogar Missachtung. Punkt.

So einfach könnte es sein. Ich stelle das mal als Prämisse voran.

Wir, die Streitkräfte dieses besten demokratischen Staates in unserer Geschichte, stehen in einer besonderen Verantwortung. Wir schützen nicht nur die territoriale Integrität und Sicherheit Deutschlands und seiner Verbündeten, sondern verkörpern zugleich auch die Werteordnung des Grundgesetzes, auf der dieses Gemeinwesen beruht. Dazu gehört unbestreitbar und fest verankert die Achtung der Menschenwürde, die Gleichberechtigung aller Geschlechter sowie die Anerkennung sozialer Vielfalt. Streitkräfte können daher ihren Auftrag nur dann legitim und wirkungsvoll erfüllen, wenn Männer und Frauen gleichermaßen in ihnen vertreten sind – und zwar nicht nur formal, nicht nur als Quote, schon gar nicht als Alibi, sondern tatsächlich und gleichwertig.

Sicherheit ist ein gemeinschaftliches Gut, Sicherheit entsteht nicht aus dem Beitrag einiger weniger, sondern aus der Kraft der Gemeinschaft. Die Vielfalt an Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten, die Frauen und Männer mitbringen, macht Streitkräfte stärker, nicht schwächer – dies können wir (wenn wir den Eingangssatz so verstanden haben und leben) eindrucksvoll erleben, in allen Dienststellen, in allen Uniformfarben, in allen Organisationsbereichen. Die möglicherweise unterschiedlichen Herangehensweisen in Stresssituationen, in Kommunikations- und Führungsstilen sowie positiv spürbar variierende Problemlösestrategien erweitern und verbessern die Handlungsmöglichkeiten unserer militärischen Organisation erheblich.

Weiter: Aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen und hybride Angriffe erfordern ein breites Spektrum an Kompetenzen, das – da bin ich fest davon überzeugt – nur durch Geschlechtervielfalt gewährleistet werden kann.

Der für mich entscheidende Punkt aber ist und bleibt die Menschenwürde. Sie verlangt, dass jeder Mensch, jede Person als selbstbestimmtes Individuum, als Persönlichkeit, anerkannt und respektiert wird. Das bedeutet wiederrum, dass niemand aufgrund seines Geschlechts von bestimmten Tätigkeiten ausgeschlossen werden darf – weder von militärischen Führungspositionen noch von anspruchsvollen Einsatzbereichen. Da dies unser Leitbild, unser Versprechen, unser Eid ist (siehe Prämisse) ist,  gilt es – diesem auch folgend – ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Beteiligten ihre Fähigkeiten entfalten können. Dazu gehören faire Zugangschancen, transparente Karrierewege, wirksame Schutzmechanismen gegen Diskriminierung und sexuelle Belästigung sowie unbedingt eine Kultur des Respekts und der gegenseitigen Wertschätzung.

Gleichberechtigte Gemeinsamkeit ist daher auch keine abstrakte Idee oder Ideal, sondern eine Voraussetzung für Funktionsfähigkeit, auch von Streitkräften. Und es ist ein starkes Zeichen nach außen: Eine Armee, die Frauen, alle Geschlechter als gleichwertig anerkennt, setzt ein klares Zeichen: Sie verteidigt nicht nur ihr Land, sondern auch die Werte, die dieses Land definieren.

Angesichts der aktuellen Debatte über eine Wehrpflicht oder Gemeinschaftspflichten müssen diese Gedanken allerdings in der Gesellschaft selbst auch verstanden und gelebt werden. Streitkräfte sind ein Spiegel der Gesellschaft, aus der sie kommen und die sie schützen. Eine demokratische Gesellschaft, in der Gleichberechtigung verfassungsrechtlich garantiert ist, muss sich dies auch in ihren Institutionen, auch in den für alle gültigen Rechten und Pflichten widerspiegeln – insbesondere in solchen, die unmittelbar mit Macht, Autorität und Verantwortung verbunden sind.

Nochmal: ich glaube Streitkräfte funktionieren am besten und am glaubwürdigsten, wenn Frauen und Männer gleichberechtigt gemeinsam in ihnen dienen. Sie verkörpern dann gleichermaßen Stärke und Humanität, Professionalität und Respekt, Einsatzbereitschaft und Würde. Dies ist eben nicht nur ein Vorteil, sondern eben unabdingbar, um den Auftrag der Streitkräfte im Verständnis unseres Eides zu erfüllen.

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