Autorin: PD Dr. med. habil. Dagmar S. , Fachärztin für Gynäkologie und Fachärztin für Allgemeinmedizin und Dr. Daniela B., Fachärztin für Gynäkologie und Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen

Bevor im folgenden Beitrag die Bandbreite der Verhütungsmethoden erläutert wird, muss zunächst gesagt werden: die eine Methode, die für alle Frauen in allen Lebenslagen passt, die gibt es nicht. Menschen und Lebenslagen sind individuell. Dinge ändern sich. Der Körper verändert sich über die Jahre, die Lebensumstände ändern sich, die persönliche Einstellung gegenüber der ein oder anderen Verhütungsmethode ändert sich, und auch die Verhütungsmethoden selbst unterliegen, wie die Medizin selbst, ständigen Innovationen oder Weiterentwicklungen der bereits etablierten Produkte. Es lohnt sich also, sich selbst und seine Ansprüche an Verhütung immer wieder erneut zu beleuchten und gegebenenfalls den neuen Umständen anzupassen.

Um eine geeignete Verhütungsmethode zu finden, müssen Anwenderin und eventuell der beratende Arzt einige Fragen klären. Neben der Verhütungssicherheit gibt es für die Anwenderinnen jedoch auch andere Kriterien, sich für die ein oder andere Methode zu entscheiden. Wie viel Verhütungssicherheit ist gewünscht? Wie lange soll verhütet werden? Soll die Verhütung reversibel oder irreversibel sein? Sind hormonhaltige Kontrazeptiva gewünscht bzw. möglich und passen sie zur Lebenseinstellung? Soll der Eisprung und der Menstruationszyklus erhalten bleiben? Gibt es anatomische, medizinische oder persönliche Gründe, die die ein oder andere Verhütungsmethode ausschließen? Soll die Methode lediglich Schwangerschaften verhindern, oder sollen möglicherweise Nebenwirkungen der Kontrazeptiva genutzt werden, um noch andere Ziele wie Zyklusstabilität, Blutungsfreiheit oder Infektionsschutz zu erreichen? Und nicht zuletzt spielen auch die Kosten der einzelnen Methoden bei der Entscheidungsfindung eine Rolle, insbesondere, wenn die Kosten der Verhütung nicht von den medizinischen Kostenträgern übernommen werden.

Verhütungssicherheit- der Pearl-Index

Der Pearl- Index ist ein Wert, der eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Schwangerschaft über einen gewissen Zeitraum erlaubt. Konkret- wie viele Schwangerschaften treten ein, wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode verhüten?

Einteilung der kontrazeptiven Methode adaptiert nach WHO (Family Planning, a global handbook for providers, 2018). „Sehr effektive Methode“ bedeutet: weniger als 1 von 100 Frauen wird innerhalb der ersten 12 Monate schwanger, „sehr geringe Effektivität“ bedeutet: über 20 Frauen werden innerhalb der ersten 12 Monate schwanger. Gebrauchssicherheit (typische Anwendung mit Anwendungsfehlern, in runden Klammern) sowie Methodensicherheit (was die Methode bei idealer Anwendung erreichen könnte, in eckigen Klammern). Quelle: register.awmf.org/assets/guidelines/015-095l_S2k_Nicht-hormonelle-Empfaengnisverhuetung_2024-08.pdf

Mechanische Methoden

Diese Verhütungsmittel verhindern, dass Spermien in die Vagina oder zur Eizelle gelangen. Dazu zählen Kondome, die gibt es mittlerweile für Männer und Frauen gibt („Femidom“), Diaphragmen und Portiokappen.

Quelle: Akademie für Naturheilkunde und Deutsche Aids-Hilfe

Chemische Methoden

Bei diesen Verhütungsmethoden werden chemische Mittel, sogenannte Spermizide, eingesetzt, die die Spermien abtöten und so eine Schwangerschaft verhindern. Sie sind in Form von Vaginalzäpfchen, Cremes, Gelen oder Verhütungsschwämmen erhältlich. Da die Verhütungssicherheit nicht sehr hoch ist, sollten diese Mittel jedoch mit mechanischen Methoden kombiniert werden, um das Risiko ungewollter Schwangerschaften zu verhindern.

Hormonelle Verhütung

·       Hier ist der Klassiker die „Anti-Baby-Pille“. Zumeist sind hier die Mikropillen, d.h. Kombinationspräparate aus Östrogen und Gestagen gemeint. Diese Hormonkombination gibt es auch als Vaginalring oder als Verhütungspflaster, die regulär über einen Zeitraum von 3 Wochen appliziert werden.

·       Daneben gibt es auch die Minipillen, die als sogenannte Monopräparate nur Gestagene enthalten, oder auch Gestagenpräparate in Stäbchenform oder als Dreimonatsspritze. Ebenfalls hormonell, aber vorwiegend lokal wirkend, sind Spiralen, die ein Gestagendepot enthalten und in die Gebärmutter eingelegt werden.

Natürliche Verhütungsmethoden

Unter symptothermaler Methode versteht man das Beobachten natürlicher Körperveränderungen während des Zyklus und das Anpassen der sexuellen Aktivität entsprechend dieser Veränderungen. So kann man die Körpertemperatur, die in der zweiten Zyklushälfte höher liegt als in der ersten und in der Zeit des Eisprungs ansteigt, kombiniert mit der Beobachtung der Gebärmutterhalsschleimes, der vor und nach dem Eisprung Farbe und Konsistenz ändert, und der Konsistenz und Position des Muttermundes zur Einschätzung der fruchtbaren Tage nutzen.

Mittlerweile sind Systeme marktverfügbar, die, wie ein Tampon nachts in die Scheide eingeführt, mit Sensoren die Körpertemperatur messen und ergänzt durch Angaben der Anwenderin zum Zervixschleim dann die fruchtbaren Tage mittels App berechnen.

Daneben gibt es auch Hormoncomputer, die durch Bestimmung von Hormonkonzentrationen im Morgenurin das fruchtbare Zeitfenster berechnen.

Beide dieser Systeme können sowohl zur Verhütung als auch bei Kinderwunsch zur Optimierung der Bestimmung des Empfängniszeitraumes verwendet werden.

Beispielhafte Zykluscomputer, auch mit App

Quelle: www.trackle.de, www.cyclotest.de

Sonstige Verhütungsmethoden

Hier zu erwähnen sind Intrauterinpessare (intrauterine device, IUD). Am häufigsten werden Kupferspiralen eingesetzt. Die Abgabe von Kupfer-Ionen in der Gebärmutter bewirkt zum einen eine Veränderung der Gebärmutter- und z.T. auch Eileiterschleimhäute, welches die Einnistung erschwert, zum anderen wird die Beweglichkeit der Spermien direkt beeinträchtigt. Neben der Spirale existieren auch noch Varianten in Form von Kupferketten oder -bällen.

Die Kupferspirale kann auch als „Notfallverhütung“ bis zu 5 Tage nach ungeschützem Verkehr noch eingesetzt werden.

Kupfer-IUDs in verschiedenen Formen

Sterilisation

Bei der Sterilisation der Frau werden in einem operativen Eingriff die Eileiter entweder mittels Clips oder Elektrokauterisierung unpassierbar gemacht oder vollständig entfernt. Dazu erforderlich ist in der Regel eine Vollnarkose für die Patientin sowie seitens der OP-Ausrüstung ein Kamerasystem und Instrumentarium für eine Bauchspiegelung.

Die Sterilisation des Mannes erfolgt durch Vasektomie. Darunter versteht man die Durchtrennung der Samenleiter im Hodensack. Spermien können so nicht mehr ins Ejakulat gelangen.

Sowohl die Sterilisation der Frau als auch des Mannes führen zur endgültigen Unfruchtbarkeit und sind zur schwer oder gar nicht rückgängig zu machen.

Verhütung im militärischen Kontext

Im regulären Dienst zu Friedenszeiten liegt der Fokus bei der Anwendung der verschiedenen Verhütungsmittelzum einen in ihrer „klassischen Indikation“, nämlich dem Schutz vor ungewünschter Schwangerschaft, sowie zum anderen im Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Gegebenenfalls ist im Dienstbetrieb jedoch auch die Regulierung des Zyklus zum Erhalt der Dienstfähigkeit bei Zyklusbeschwerden oder zurOptimierung der Leistungsfähigkeit von Verschiebung der Menstruation bis hin zur vollständigen Blutungsunterdrückung gewünscht. Unter regulären Dienstbedingungen besteht der Vorteil, dass die Methoden zur Verhütung flexibel an die Bedürfnisse der Anwenderin angepasst werden können. Seitens des Arztes oder der Ärztin kann auf potentielle unerwünschte Nebenwirkung reagiert werden, da in der Regel kein großer Zeitdruck besteht und die Verfügbarkeit von Kontrazeptiva nicht problematisch ist.

Anders stellt sich die Situation im Einsatz dar. In der Regel verfügen die Truppenärzte der Bundeswehr nicht über gynäkologische Fachkenntnisse auf Facharztniveau. Auch die Beschaffung von passenden Medikamenten und gegebenenfalls die erforderliche Infrastruktur zur Einlage von IUDs oder Depotpräparaten sind nicht im gleichen Maße vorhanden wie im Inland. Die Verfügbarkeit von und Kooperation mit zivilen Kapazitäten im Ausland ist nicht mit den Gegebenheiten im Inland vergleichbar.

Des Weiteren sind Soldatinnen im Einsatz oder LV-/ BV-Szenario besonderen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt. Eine zuverlässige Verfügbarkeit und verlässliche Einnahme beispielsweise von oralen Kontrazeptiva sind möglicherweise eingeschränkt oder gar nicht möglich durch räumliche Trennung von der Einheit. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Wirksamkeit oral verabreichter Kontrazeptiva durch Magen-Darm-Infekte, die unter eingeschränkten hygienischen Bedingungen häufig sind, beeinträchtigt werden kann.

Eine sichere Verhütung, kombiniert mit therapeutischer Amenorrhöe, also der absichtlich herbei geführten Blutungsunterdrückung aus Gründen der verbesserten Dienstfähigkeit, wäre aus Sicht der Wehrgynäkologie der Idealfall. Bei Einstellung einer Soldatin auf eine für sie neue Verhütungsmethode, also beispielsweise eine Neuverordnung oraler Kontrazeptiva oder Einlage einer Spirale, können zunächst noch Probleme bei der Verträglichkeit auftreten. Die Bewältigung dieser Probleme, wie zum Beispiel ein Wechsel auf ein anderes Pillenpräparat, die zusätzliche Gabe von oral verabreichten Hormonen bei Blutungsstörungen mit Hormonspiralen oder das Verrutschen und Korrigieren von Spiralen können einige Monate in Anspruch nehmen. Wünschenswert wäre daher das Konsultieren eines Facharztes für Frauenheilkunde möglichst schon einige Monate vor dem Einsatz, um die Soldatin mit einer passenden Verhütung und ausführlichen Beratung über Hygiene im Feld, sexuell übertragbare Erkrankungen oder Blutungsstörungen optimal für ihren Dienst und ihre herausfordernde Tätigkeit vorzubereiten.

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