„Ich dachte lange, ich müsste einfach nur härter werden.“
Triggerwarnung:
Dieser Artikel thematisiert sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch und psychische Belastungen innerhalb der Bundeswehr. Bitte achtet beim Lesen auf euch selbst.
Als ich zur Bundeswehr kam, war ich stolz. Es war genau das was ich wollte, was ich geschafft habe, ich ganz allein.
Ich wollte dienen, Verantwortung übernehmen und Teil eines mutigen Teams sein. Die ersten Monate waren hart, aber ich hatte das Gefühl, meinen Platz zu finden. Kameradschaft bedeutete für mich Vertrauen, Unterstützung und Schutz.
Dann kamen Situationen, die ich zunächst kleinredete und nicht zu viel Raum schenkte, denn: ich muss „meine Frau“ stehen.
Kommentare über meinen Körper. Mein kleiner „Knackarsch“ den man gerne mal versohlen würde.
Anspielungen im Dienst jedweder Art.
Berührungen, die „nur Spaß“ sein sollten und die mir ja eigentlich schmeicheln sollten.
Nachrichten spät nachts, obwohl ich klar gesagt hatte, dass ich kein Interesse hatte.
Ich lachte oft mit, obwohl es sich falsch und schmutzig anfühlte.
Nicht, weil es lustig war – sondern weil ich Angst hatte, sonst als schwierig oder sogar zickig zu gelten. Eine Frau die sich nicht „einfügen“ will.
Irgendwann begann ich, bestimmten Räumen auszuweichen. Ich blieb nicht mehr freiwillig nach Dienstschluss mit den Leuten zusammen. Ich achtete ständig darauf, mit wem ich allein war. Ich achtete bewusst auf körperlichen Abstand und die teilweise ekelhaften Blicke. Das belastete mich mehr, als ich mir eingestehen wollte.
Das Schwerste war nicht einmal der einzelne Vorfall.
Es war das Gefühl, plötzlich unsicher im eigenen Team zu sein von dem ich mir so viel Schutz und Unterstützung versprochen habe.
Als ich mich schließlich anvertraute, reagierten einige verständnisvoll. Andere sagten Dinge wie:
„So ist der Ton eben.“
„Du musst dir ein dickeres Fell zulegen.“
„Mach daraus kein großes Thema.“
Aber genau das ist das Problem.
Sexualisierte Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen.
Sie beginnt dort, wo Grenzen ignoriert, Menschen entwürdigt oder Macht ausgenutzt wird. Das wurde mir erst sehr spät klar. Der stille Schrei wurde immer lauter. Das Gefühl des reduziert werdens größer. Von oben herab und „allmächtig“ diesen NICHT KAMERADEN voll ausgeliefert sein, weil man nicht nach der gewünschten Pfeife tanzt. Es zerreißt einen und hinterlässt eine psychische Wunde, Enttäuschung und Vertrauensverlust.
Heute thematisiere ich es weil Schweigen niemanden schützt. Es ändert nichts an dem Grundproblem vor dem viele Ihre Augen verschließen. Auch in diesem Fall ein Chef der mit dem Zugführen gerne mal an der Kompaniebar steht. Frauen die einfach mit ihren Aussagen übertreiben. NEIN!! Der
Ich kenne viele großartige Kameradinnen und Kameraden. Viele Führungskräfte, die Verantwortung übernehmen und eine Kultur des Respekts leben. Aber Veränderung entsteht nur, wenn Betroffene ernst genommen werden – und wenn andere nicht wegsehen.
Kameradschaft bedeutet nicht, Probleme zu verschweigen.
Kameradschaft bedeutet, füreinander einzustehen, auch wenn es schwer wird!
Ganz wichtig! Du bist nicht allein!
Name, Dienstgrad und persönliche Details wurden zum Schutz der betroffenen Soldatin entfernt. Der Erfahrungsbericht basiert auf realen Erlebnissen aus dem Jahr 2004.
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