Ich bin zivile Angestellte .. Das ist meine Geschichte!
Als ich zur Bundeswehr kam, war die Welt eine andere.
Ich war jung, motiviert und stolz, meinen Dienst anzutreten. Gleichzeitig war ich eine von wenigen Frauen in einer Umgebung, die fast ausschließlich von Männern geprägt war. Viele begegneten mir respektvoll, manche unterstützten mich, aber ich musste auch lernen, dass ich mich oft doppelt beweisen musste.
Es gab Situationen, die heute kaum noch vorstellbar erscheinen. Man wurde auf Äußerlichkeiten reduziert, bekam Spitznamen, die heute niemand mehr akzeptieren würde, und musste Kommentare aushalten, die nicht der Leistung galten, sondern dem Geschlecht. Trotz nachweislich guter Leistungen wurde mir einmal erklärt, dass ich einen bestimmten Karriereweg (Aufstieg) nicht einschlagen könne. Nicht wegen meiner fachlichen Qualifikation, sondern weil andere meinten, ich würde nicht in das gewünschte Bild passen weil ich zu dick war. Das saß tief. Besonders, weil ich wusste, dass ich die Anforderungen erfüllt hatte.
Ich war alleinerziehende Mutter von drei Kindern, habe körperliche Einschränkungen und musste lernen, Familie, Dienst und Verantwortung miteinander zu vereinbaren. Oft hatte ich das Gefühl, mehr leisten zu müssen als andere, nur um auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden.
Im Laufe meiner Dienstzeit habe ich vieles erlebt. Gute und schlechte Vorgesetzte. Menschen, die mich gefördert haben. Aber auch Situationen, in denen ich mich gegen Ungerechtigkeit wehren musste.
Irgendwann entschloss ich mich, mich gegen ein Verhalten zur Wehr zu setzen, das ich als Mobbing empfand. Ich ging den offiziellen Weg, reichte Beschwerde ein und hoffte auf Fairness. Stattdessen musste ich erleben, wie belastend solche Verfahren sein können. Während andere Karriere machten, hatte ich zeitweise das Gefühl, selbst die Konsequenzen tragen zu müssen.
Besonders schmerzhaft war für mich die Erkenntnis, dass Worte verletzen können. „Selbst in meinem 60. Lebensjahr erlebe ich Dinge – man glaubt es nicht. Im letzten Jahr saß ein KzS auf einer Tagung neben mir, der mir in meiner letzten Beurteilung „jegliche soziale Kompetenz“ absprach“ weil er „copy und pace“ den Beurteilungsbeitrag vom meinem alten Chef Wort für Wort zur Beurteilung herangezogen hat. Der Normalfall! Diese Beurteilung hat mich jede Chance auf die A9 gekostet. Beurteilungen, Kommentare und Einschätzungen begleiten einen oft jahrelang. Manche Formulierungen liest man nicht nur einmal – man trägt sie mit sich. Ich habe gelernt, wie sehr Anerkennung stärken und wie sehr Geringschätzung krank machen kann.
Gleichzeitig kämpfte ich privat mit gesundheitlichen Herausforderungen, die mein Leben grundlegend veränderten. Es gab Zeiten, in denen ich nicht wusste, wie es weitergeht. Doch Aufgeben war nie eine Option. Die erste Frauenbeauftragte an meinem Dienstort, musste nach der Abgabe dieses Amtes, als Lagerverwalterin zwei Jahre in einem leeren Lager sitzen. Danach wurde sie krank. Das war 2002! danach erkrankte vorzeitig an schwerer Demenz, kam vor 8 Jahren in ein Pflegeheim und verstarb im letzten Frühjahr mit 69 Jahren. Meine Freundin hat sich von der „Rache der Offiziere“ nie wieder erholt.
Heute, viele Jahre später, blicke ich auf einen langen Weg zurück.
Einen Weg voller Hindernisse, aber auch voller Begegnungen mit großartigen Menschen. Denn bei aller Kritik möchte ich eines deutlich sagen: Es gab sie immer – die guten Vorgesetzten, die fairen Kameraden, die Menschen mit Haltung. „Sie dürfen mir wirklich glauben, dass ich es genieße, dass wir einen weibl. S1, Spieß und PersBtsm haben. Es ist schön miterleben zu dürfen, wie wir immer mehr und stärker werden.“ Ihnen verdanke ich vieles.
Wenn ich heute die jungen Frauen in der Bundeswehr sehe, erfüllt mich das mit Stolz. Nicht, weil alles perfekt ist. Sondern weil ich sehe, wie weit wir gekommen sind. Was heute selbstverständlich wirkt, war es früher oft nicht.
Deshalb wünsche ich mir, dass unsere Geschichten nicht verloren gehen. Nicht aus Bitterkeit. Sondern weil sie zeigen, warum Netzwerke, Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung auch heute noch wichtig sind. Und weil ich daran glaube, dass die Frauen nach uns noch mehr erreichen werden als wir.
? Für alle, die vor uns gegangen sind. Für alle, die heute ihren Weg gehen. Und für alle, die noch kommen werden.
