Nicht allein im Dienst

meet B(w) e.V. – das Netzwerk für alle interessierten Frauen bei der Bundeswehr

(Eingereichter Zeitschriftenbeitrag für JS – Die evangelische Zeitschrift für junge Soldatinnen und Soldaten – ob er jemals abgedruckt wird wissen wir nicht.)

Der erste „Frauenstammtisch“, zu dem Jana geht, findet in einem Hinterzimmer statt, das sonst für Dienstbesprechungen genutzt wird. Sie ist Hauptgefreiter, seit zwei Jahren dabei, und bis zu diesem Abend war sie in ihrer Kompanie meistens die einzige Frau im Raum. Nicht unwillkommen, aber auch nicht wirklich mitgedacht. Neben Ausrüstung, die nicht passt,  oder Witze, die ins Leere laufen, die Frage nach Beziehung oder Familienplanung, die niemand einem Kameraden stellt. An diesem Abend sitzen zwölf Frauen aus drei Teilstreitkräften am Tisch, unterschiedliche Dienstgrade, ein gemeinsamer Nenner. „Ich habe zum ersten Mal gemerkt“, sagt Jana später, „dass ich mir das nicht einbilde. Und dass ich nicht die Einzige bin, die abends erschöpfter ist als erklärbar.“

Diese oder ähnliche Momente entstehen wenn Frauen aus der meet B(w) Community das erste Mal zusammenfinden. Rund 14 Prozent des Personals sind heute Frauen, mit großen Unterschieden zwischen den Teilstreitkräften. meet B(w) ist ein gemeinnützige Verein, ehrenamtlich getragen und versteht sich als Wirkpartner der Bundeswehr.  Es geht nicht um Sonderrechte, sondern um etwas Schlichteres: dass Frauen im Dienst sichtbar sind, sich vernetzen können und im Ernstfall wissen, an wen sie sich wenden.

Für JS-Leserinnen ist das kein neues Thema. Immer wieder haben Hefte der vergangenen Jahre Geschichten erzählt, die im Dienstalltag sonst leicht untergehen: Soldatinnen mit Endometriose, die auf Vorgesetzte treffen, die die Diagnose nicht ernst nehmen (JS 03/2025); der jährliche Wehrbericht des Wehrbeauftragten, der neben vielem anderen auch unangemessenes Verhalten gegenüber Untergebenen dokumentiert. Es sind einzelne Geschichten aber sie zeigen ein Muster.

Der Zeitpunkt dafür ist kein Zufall. Die Bundeswehr soll bis Mitte der 2030er-Jahre von rund 186.000 auf mindestens 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten wachsen, die Reserve von 70.000 auf 200.000. Gleichzeitig hat sich die Bundesregierung Gleichstellung bis 2030 vorgenommen – mit genau den Mitteln, die im Ministerium selbst genannt werden: mehr Frauen in Führungspositionen, Vernetzung, Coaching, Arbeit gegen sexualisiertes Fehlverhalten. Wer so wachsen will, kommt an der Hälfte der Bevölkerung nicht vorbei und an Strukturen, die aus einzelnen Soldatinnen ein Netzwerk machen[1].

Hinter meet B(w) steckt inzwischen mehr als nur ein „Stammtisch“. Unter dem Dach von meet B(w) sind regionale Frauenstammtische entstanden, standortübergreifend – eine Community die sich virtuell organisiert. Der Fokus der 6 Alphas orientiert sich an der Agenda der Bundeswehr als niedrigschwellige Anlaufstelle für Soldatinnen aber auch unsere zivilen Kolleginnen. Das Netzwerk ist kein deutscher Sonderweg. Die US Army hat mit dem „Women’s Initiatives Team“ eine offizielle Struktur gegen strukturelle Hürden für Soldatinnen aufgebaut, Kanada trägt in vielen Garnisonen die „Defence Women’s Advisory Organization“, die Niederlande das „Defensie Vrouwen Netwerk“, und selbst bei der NATO gibt es mit dem Ausschuss für Gender-Perspektiven eine eigene Beratungsstruktur. Frauennetzwerke in Streitkräften sind in verbündeten Armeen längst etabliert. meet B(w) schließt eine Lücke, die andere Streitkräfte schon vor Jahren geschlossen haben.

Ein Format, das gerade entsteht, dürfte JS-Leserinnen besonders interessieren: eine mehrtägige Rüstzeit für Frauen bei der Bundeswehr, vielleicht gemeinsam mit der evangelischen Militärseelsorge. Genau die Fürsorge, für die Militärseelsorge seit jeher steht – zugeschnitten auf die Lebenswirklichkeit von Frauen bei der Bundeswehr.

Für Jana war der Stammtisch der Anfang. Inzwischen organisiert sie an ihrem Standort selbst Treffen mit. „Man muss nicht alles allein durchziehen“, sagt sie. „Es gibt Leute, die das schon mal durchgemacht haben und die einem sagen, wo man anrufen kann, wenn es eng wird.“ 2027 soll mit dem ersten Female Military Summit das bislang größte Format folgen. Wer mitmachen, sich vernetzen oder einfach mal reinhören will, findet meet B(w) e. V. im Internet auf www.meetbw.de, Instagram und LinkedIn oder über die regionalen Ansprechpartnerinnen an den Standorten.

Hinweis: „Jana“ ist eine anonymisierte Frau aus dem Netzwerk, da wir in der Vergangenheit viele Anfeindungen, Drohungen und Erpressungen in der Dienstrealität teilweise auch durch Vorgesetzte Personen erlebt haben. Zivile Angehörige als auch Soldatinnen waren davon betroffen. Das soll durch Anonymisierung verhindert werden.


[1] https://www.bmvg.de/de/grundlagendokumente-strategische-ausrichtung | https://www.bmvg.de/de/sicherheitspolitik-und-bundeswehr-brauchen-mehr-frauen | https://www.bmvg.de/de/aktuelles/bundestag-beschliesst-neues-gesetz-gleichstellung-in-truppe-5706018

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